100 Jahre FC Grüningen

Wenn ein Verein auf 50 Jahre zurückblicken kann, dann ist es auch Pflicht, auf diese Zeit Rückschau zu halten. So wollen wir die Geburtsstunden des hiesigen Fußballclubs schildern. Ein junger Mann, namens Markgraf von Mannheim, hat in unserem Örtchen das Interesse am Fußballspiel bei der Jugend geweckt. Ein von ihm mitgebrachter Ball, der aber nur aus einer schon aus den Fugen gehenden Hülle bestand, wurde einfach mit Lumpen ausgestopft und zum gegenseitigen Draufschlagen benützt. Gar zu gerne hätte man schon mit einem richtigen Fußball gespielt. Das Geld reichte aber nur zu einer Lunge, die bald den derben Werktagsschuhen zum Opfer fiel. Ein mutiger Schreiber unserer Jugend, Theodor Obergfell, wandte sich an das Fürstenhaus in Donaueschingen mit der Bitte, unserer fußballbegeisterten Jugend aus der Not zu helfen. Das Bittgesuch hatte Erfolg. Zur großen Freude aller jungen Spieler übersandte der damalige Fürst Max Egon zu Fürstenberg zwei neue Fußbälle. Nun konnte mit einem regelrechten Spielbetrieb begonnen werden. Zur Aufstellung einer Mannschaft traf man sich eines Abends im Hofe von Johann Schorpp, Schmied. Der Vorgang dieser Mannschaftsaufstellung war kurz und bündig. Auf das Kommando der Größe nach aufstellen, standen auch schon elf fußballbegeisterte junge Burschen, 15 bis 17 Jahre alt, wie die Soldaten. Das Problem, wer auf dem Sportplatz vorn oder hinten spielen soll, wurde dadurch gelöst, das es im Fußballied heißt: „Das die kleinen, flinken Stürmer schießen Tor auf Tor". Der größte der Spieler wurde also Torwart. Dann folgten die beiden Verteidiger, die drei Läufer, jetzt Mittelfeldspieler genannt, und zuletzt die erwähnten fünf kleinen, flinken Stürmer. Beim Spielen stellte sich jedoch bald heraus, daß die Aufstellung der Größe nach doch nicht das Richtige war. Dies wurde in der Folgezeit auch bald geändert. Am 2. Juni 1921 wurde der Fußballclub im Gasthaus zur „Krone" offiziell gegründet. Mit dem Namen FC 1921 Grüningen wurde er aus der Taufe gehoben. Als Vereinslokal wurde das Gasthaus zur „Krone" bestimmt. Etwa 20 Gründungsmitglieder waren zugegen. Von diesen sind leider einige nicht mehr am Leben, andere haben das Heimatdorf verlassen. Die Gründungsfeier wurde am Sonntag, den 21. Juni 1921 mit einem Fußball-spiel gegen den FC Kirchdorf eröffnet. Die 0:8-Niederlage im ersten Spiel konnte aber die gute Laune der sportbegeisterten Jugend nicht trüben. Der erste Sportplatz war auf dem Gewann ,,Hölzlefeld" nahe des Waldes. Die begeisterten Fußballer schleppten ein Fass Bier dorthin, ebenso einen Korb mit Wecken, aber ohne Wurst, denn das konnten sich die jungen Spieler nicht leisten. Man war auch gar nicht so anspruchsvoll. Als Erkennungszeichen des Sportplatzes wurde am größten Baum eine Fahne angebracht. Bei froher Laune und passenden Liedern, darunter auch das Fußballied: „Brüder lasst die Bundesfahne in den Lüften wehen", wurde das Bierfass seines Inhaltes beraubt. So nahm der erste Spieltag des neu-gegründeten Vereins einen fröhlichen Verlauf. Zur Erstellung der Tore sei noch bemerkt, dass das Holz hierfür nachts aus dem Walde geholt wurde. Man wollte es nicht stehlen, aber am Tage hatte man keine Zeit, da alle ihrer Arbeit nachgehen mussten. Von der Gemeinde wurde das Holz gestiftet, ebenso die Bretter für Sitzgelegenheiten. Der Sportplatz wurde von Landwirt Johann Willmann kosten-los zur Verfügung gestellt. in den nun folgenden Jahren musste der Sportplatz immer wieder gewechselt werden. Als zweiter Platz wurde auf einer Wiese im Gewann „Schlatt" gespielt. Der dritte Platz, von der Gemeinde zur Verfügung gestellt, wurde in Eigenarbeit hergerichtet. Er befand sich auf dem „Haselbuck". Der Spielbetrieb innerhalb des Vereins wurde nun sehr rege und man nahm an Verbandsspielen mit anderen Nachbarvereinen teil. Die folgenden Jahre zeigten aber, dass man sich unbedingt nach einem besseren Sportgelände umsehen musste. Die Bemühungen der Vereinsleitung hatten dahingehend Erfolg, dass ein Teil des früheren Exerzierplatzes als Sportgelände benützt werden konnte. Auf diesem Platz wurde nun eifrig gearbeitet, so das die feierliche Einweihung dieses Sportgeländes am 10. Juni 1928 stattfand. Aus diesem Grund veranstaltete der Verein ein Pokalturnier. Viele auswärtige Vereine hatten sich hierzu angemeldet. Auf dem Festplatz war eine große Bühne erstellt worden, und in unserem kleinen Örtchen standen Triumpf-bögen anlässlich dieses seltenen Ereignisses. Als die Einwohner am Sonntag-morgen durch Böllerschüsse geweckt wurden, stellte sich jedoch heraus, dass St. Petrus nicht mitmachen wollte. Ein einsetzender, leichter Regen brachte eine kleine Missstimmung in die Freude am Feste. Nach dem Gottesdienst begannen die einzelnen Spiele. Nach dem Mittag-essen stellte siech beim Gasthaus zur „Traube" der Festzug auf. Bei flotter Marschmusik der Musikkapelle Klengen setzte sich der Festzug in Bewegung. Wiederum schauten wir bangen Herzens zum Himmel, denn es regnete immer mehr. Nach Ankunft des Festzuges auf dem Sportplatz begrüßte der 1. Vorstand des Vereins die anwesenden Mannschaften und Gäste. Im folgenden Propaganda-Spiel gegen die Ib-Mannschaft des FC 08 Villingen verlor unsere Mannschaft mit 1:4 Toren. Immer stärker einsetzender Regen beeinträchtigte das Spiel geschehen auf dem Platze. Daraufhin wurde der Spielbetrieb auf dem Platze abgebrochen und Einheimische sowie Gäste begaben sich in das Gasthaus zur „Traube". Bei froher Gesellschaft, Tanz und Humor nahm die Einweihung des Sportplatzes ein für alle zufriedenes Ende. Alles war begeistert von dem schönen und ideal gelegenen Sportgelände. Leider war es etwas weit vom Orte entfernt, denn in jener Zeit hatte man noch keine Autos zur Verfügung. Ein bedeutender Abschnitt des FC 1921 soll und darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Im Jahre 1931 trat, wie in verschiedenen anderen katholischen Gemeinden der Umgebung, auch unser Verein der deutschen Jugendkraft bei. Der damalige Ortspfarrer Kaspar, der segensreich in unserer Gemeinde wirkte, war die treibende Kraft zu diesem Schritt. Als Präses des Vereins war er auch ein begeisterter Anhänger des Fußballs. Dies brachte er durch seinen Besuch bei nahezu allen Heimspielen zum Ausdruck. Mit der Gründungsfeier war auch ein Pokalturnier der umliegenden DIK-Mannschaften verbunden. Wie die Einweihung des Sportplatzes im Jahre 1928 war es wiederum für den Verein ein voller Erfolg. Durch die politischen Umstände wurden dann im Jahre 1933 die katholischen Vereine aufgelöst. Sämtliche Schriftstücke sowie das gesamte Vermögen wurde von der geheimen Staatspolizei (Gestapo) eingezogen. In den folgenden Jahren setzten die Fußballer den Spielbetrieb wieder fort unter dem alten Namen FC 1921. Das Interesse am Fußballspiel wurde in der folgenden Zeit unter den jungen Leuten des Ortes immer größer. Nicht nur eine erste Mannschaft, sondern eine zweite und Jugendmannschaft nahmen an den Spielen teil. Durch eifriges Training und nicht zuletzt durch gute Kameradschaft wurde mancher achtbare Erfolg erzielt. Der sehnlichste Wunsch, einmal Meister in der B-Klasse zu werden, erfüllte sich auch bald. Anlässlich des 15jährigen Bestehens des Vereins fand am 26. Juli 1936 ein Pokalturnier statt. Es war kein Regentag wie bei der Platzeinweihung, sondern das Fest konnte bei strahlendem Sonnenschein abgewickelt werden. Viele aktive und passive Mitglieder hatten viel Zeit aufgewendet, um dem Fest einen würdigen Rahmen zu geben. Als erstes spielte unsere Jugend gegen Dauchingen. Das Spiel ging mit 0:3 Toren verloren. Zum Turnier hatten sich viele Vereine aus der Umgebung eingefunden. Nach dem Mittagessen stellte sich der Festzug beim Gasthaus zur „Traube" auf. Unter Vorantritt der Musikkapelle Klengen ging es, begleitet von Festdamen und den folgenden Mannschaften im bunten Trikot zum Sportplatz. Nach einer kurzen Begrüßung unseres Vorstandes sprach Bürgermeister Winterhalter zum Feste. Leider sei ein Wermutstropfen auf unser Fest gefallen. Kurz zuvor hatte es die ganze Ernte verhagelt. Unsere fußballbegeisterte Jugend soll sich am heutigen Tage freuen und das Fest würdig feiern. Der Bürger-meister ermahnte die Spieler in ritterlicher und sportlicher Art um den Sieg zu kämpfen. Dem hiesigen Fußballklub wünschte der Redner einen vollen Erfolg. Für den Badischen Fußballverband sprach Herr Paul Huber, Villingen, im Auftrag des leider verhinderten Kreisleiters Bajer, Hornberg. Auch die Festdamen wollten nicht zurückstehen, und stifteten dem Jubelverein einen Fußball. Im Propaganda-Spiel standen sich der Nachbarverein Wolterdingen und unsere erste Mannschaft gegenüber. Dasselbe wurde von Grüningen gewonnen. Bei diesem Anlass wurden für 15jährige, aktive Tätigkeit in der ersten Mannschaft unseres Vereins die Spieler Peter Limberger und Josef Doser geehrt. Die übrigen Turnierspiele nahmen den ganzen Nachmittag in Anspruch. Zum Schluss fand die Siegerehrung statt.